Huf & Wasser
Das Hufhorn besitzt die Fähigkeit, Wasser zu speichern.
Ähnlich wie menschliche Fingernägel wird es dadurch weicher und elastischer.
Je feuchter das Horn ist, desto flexibler reagiert die Hufkapsel.
Das Hufhorn besteht zu etwa 20 bis 35 % aus Wasser, der Wassergehalt variiert je nach Hornqualität und Hornbereich etwas. Wasser ist ein wichtiger Bestandteil des Hornes und beeinflusst dessen Materialeigenschaften erheblich. Es macht das Horn jedoch weder grundsätzlich besser noch schlechter, sondern verändert vor allem seine Elastizität, Verformbarkeit und Abriebfestigkeit. Die äußere Hornschicht verhindert zwar einen schnellen Wasserverlust, dennoch nimmt die Hufkapsel über längere Zeit Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung auf und gibt sie auch wieder ab. Dieser Prozess erfolgt vor allem über die Sohle, den Strahl und die Weiße Linie, in geringerem Maß aber auch über die Hornwand.
Trockenheit
Wenn die Böden und Lebensumgebung des Pferdes sehr trocken wird, dann trocknet das Horn aus. Feuchtigkeitsverlust bedeutet Zusammenziehen der Hornstrukturen, somit eine marginale Verengung der Kapsel. Der Huf wird trocken und und kann steinhart werden. Das ergibt eine Beinträchtigung der Stoßdämpfung. Davon abgesehen, dass solche Hufe so gut wie nicht mehr mit dem Messer zu bearbeiten sind, ist das harte, trockene Hufhorn für das Pferd auf lange Zeit nicht optimal. Die Hufe können rissig und brüchig werden. Das eröffnet Lebensraum für Mikroben zwischen den Hornstrukturen in die Hufwand. Sie ernähren sich vom Hufhorn und finden ein geschütztes Lebensklima.
Feuchtigkeit
Je mehr Feuchtigkeit vom Huf aus der Umgebung aufgenommen und gespeichert wird, desto elastischer reagiert die Hufkapsel auf Spreizkräfte. Zum einen ist der Huf viel weicher und hat deshalb eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber mechanischer Belastung. Außerdem fördert die hohe Verformbarkeit der Kapsel Durchblutung des Hufes, deshalb findet bessere Nervenleitung statt. In der Folge nimmt das Pferd den Untergrund differenzierter wahr, ist also wertfrei gesagt "fühliger".
Ein gesundes Pferd mit einem gesunden Huf kompensiert die wechselnden Bedingungen
deutlich besser als ein bereits geschädigter Huf oder ein krankes Pferd.
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Hufe rassetypisch an unterschiedliche Wasserangebote angepasst sind und daher individuell auf Witterungseinflüsse reagieren oder gar davon abhängig sind. Optimal ist ein ausgewogenes Feuchtigkeitsverhältnis – die Hufe sollten weder dauerhaft nass noch dauerhaft trocken sein.
Hufe fetten & wässern
Viele Ratgeber empfehlen, trockene Hufe regelmäßig zu wässern oder Huföle aufzutragen. Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist jedoch begrenzt. Kurzfristiges Befeuchten verändert zwar den Wassergehalt der äußeren Hornschichten, verbessert aber nicht dauerhaft die Hornqualität. Entscheidend für gesundes Hufhorn sind vielmehr eine physiologische Hornproduktion durch eine gut durchblutete Lederhaut, eine ausgewogene Nährstoffversorgung sowie regelmäßige Bewegung und eine dem Lebensraum angepasste Hufbearbeitung.
Der Pferdehuf besitzt von Natur aus eine wasserabweisende Außenschicht, bestehend aus Lipiden, Wachsen und dem Saumbandhorn. Diese Schicht vermindert den Wasserverlust aus dem Horn und bremst gleichzeitig das Eindringen von Wasser von außen. Das bedeutet, dass der Huf von Natur aus als regulierendes System gebaut ist und nicht dafür vorgesehen ist, ständig große Mengen an Wasser aufzunehmen.
Das Horn besteht aus abgestorbenen Keratinzellen. Von außen aufgetragenes Öl kann weder die Hornbildung verbessern noch in die Lederhaut gelangen. Die Qualität des neu gebildeten Horns entsteht, wie du schon weißt, ausschließlich in der Lederhaut durch Stoffwechsel, Ernährung und Durchblutung.
Fette und Öle wirken am Huf als temporäre Barriere. Sie verlangsamen den Wasseraustausch, vermindern kurzfristig die Wasseraufnahme und ebenso kurzfristig den Wasserverlust. Es kann als eine Art Versiegelung gesehen werden.
Für uns Hufbearbeiter sind trockene Hufe ein Graus. Die Hufe vor der Bearbeitung zu wässern hilft oft etwas. Je nachdem wie stark die Hufe schon ausgetrocknet sind, kann es auch sprichwörtlich der Tropfen auf den heißen Stein sein. Die Hufe einige Zeit in nasse, lehmige Erde (Gatsch) zu stellen, hilft am besten. Es hilft schon, wenn die Hufe vorher nicht ausgekratzt werden. Bei heißen Temperaturen kann man den Hufen beim Austrocknen zuschauen.
